Polyneuropathien

Polyneuropathien (PNP) sind generalisierte Erkrankungen des peripheren Nervensystems (PNS). Zum PNS gehören alle außerhalb des ZNS (Gehirn, Rückenmark) liegenden Anteile der motorischen, sensiblen und autonomen Nerven, einschließlich der Hirnnerven.

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Polyneuropathien können sich akut (wenige Wochen), subakut (über Monate) oder auch sehr langsam schleichend (über Jahre) entwickeln. Es werden verschiedene Verteilungsmuster unterschieden (z.B. längenabhänge Polyneuropathien bei denen die Beschwerden an den Füssen oder Händen beginnen, Schwerpunktneuropathien und Multiplex-Neuropathien). Unterschieden werden ferner sensible, vegetative und motorische Neuropathien, die isoliert oder gemischt auftreten. Von Bedeutung für die Einteilung der PNP ist auch der Ort der Schädigung, z.B. im Kerngebiet der Nerven (neuronal), am Nervenkabel (axonal) oder an den Hüllstrukturen der Nerven wie die Schwann’schen Zellen und Markscheide (demyelinisierend).

Polyneuropathien sind in ihrer Gesamtheit eine relativ häufige Erkrankung. Man schätzt, dass ca. 3% aller Menschen im Laufe Ihres Lebens eine PNP entwickeln, unter den über 65 Jährigen liegt der Anteil bei bis 8%. Besonderes bei Menschen mit einem Diabetes mellitus besteht ein deutlich erhöhtes Risiko, man nimmt an, dass etwa 50% der Erkrankten im Laufe ihres Lebens eine PNP entwickeln, entsprechend hoch ist der Anteil der diabetischen Neuropathien. Nicht so selten sind auch die erblichen Polyneuropathien mit einer Inzidenz von 1:2500, die damit die häufigste genetisch bedingte neurologische Erkrankung überhaupt darstellt.

Sensible Reiz- und Ausfallerscheinungen

  • Kribbeln
  • Ameisenlaufen
  • Wärme- und Kälte-Missempfindungen
  • Stechen
  • Elektrisieren
  • Pelzigkeits- und Taubheitsgefühle
  • Gefühl des Eingeschnürtseins
  • Schwellungsgefühle
  • Gefühl des unangenehmen Drucks
  • Gefühl wie auf Watte zu gehen
  • Gangunsicherheit insbesondere bei Dunkelheit
  • fehlende Temperaturempfindung
  • schmerzlose Wunden

Motorische Reiz- und Ausfallerscheinungen

  • Muskelzucken
  • Muskelkrämpfe
  • Muskelschwäche und Lähmungen
  • Muskelverschmächtigung

Vegetative Ausfallerscheinungen (Auswahl)

  • gestörte Schweißsekretion
  • trophische Störungen

 

Der Nachweis einer Polyneuropathie gelingt durch die differenzierte neurologische Untersuchung sowie durch die Elektroneurografie. Ferner kommen zur weiteren Einordnung Elektromyografie, somato-sensibel-evozierte Potenziale sowie die Nervensonografie zum Einsatz.

Diabetes mellitus (ca. 30-35 %)

Chronischer schädlicher Alkoholkonsum (ca. 10-15 %)

Ungeklärte Polyneuropathien (ca. 20-30 %)

Andere Ursachen (30-40 %)

Nach diesen anderen Ursachen muss insbesondere bei voranschreitenden Polyneuropathien sehr sorgfältig gesucht werden, und es bedarf teilweise einer umfangreichen oder invasiven Diagnostik (einschließlich Haut-, Muskel und Nervenbiopsie), die auch andere Fachgebiete (z.B. Labormedizin, Radiologie, Innere Medizin, Rheumatologie, Hämatologie, Dermatologie, Urologie, Gynäkologie …) mit einbezieht.

Die Behandlung einer Polyneuropathie richtet sich in erster Linie nach der Ursache. Darüber hinaus ist es teilweise erforderlich, Schmerzen oder Mißempfindungen gesondert zu behandeln, dafür stehen zahlreiche Medikamente zur Verfügung, die jedoch nicht immer zu einer befriedigenden Besserung der Beschwerden führen, so dass ggf. Kombinationstherapien erforderlich sein können. Es gibt milde, wenig voranschreitende sensible Polyneuropathien die nur einer symptomatischen Behandlung der Mißempfindungen bedürfen. Hingegen müssen andere, voranschreitende Polyneuropathien sorgfältig überwacht oder bei rascher Verschlecherung oder autonomen Symptomen in einer Klinik behandelt werden.

Podcast "Neurologie kurz erklärt" von Frau Dr. Young zu Polyneuropathien auf Spotify oder Apple